· 

Die "schnelle" Tasche ;-)

Von der Arroganz, zu sagen: „Ich mache mal schnell“ ...

und wie ich dann doch 4 Tage an einer Tasche verbrachte.

Tag 1:

 

Vielleicht kennst du das. Du bist im Fluss. Egal was du unter deine Nähmaschine legst, es gelingt und sieht richtig gut aus. Die Schultern straffen sich und du denkst „Hey, was kostet die Welt? Ich nähe mal eben eine witzige Tasche“. Einen Schnitt gibt es nicht. Nur das fertige Bild im Kopf.

 

Immerhin!

 

Schnell überlegt, ein paar Maße aufgeschrieben zugeschnitten und genäht....Ups, die Bügeleinlage vergessen. Kein Wunder also, dass sich der stretchige Cord so verzogen hat. Also zum besten Freund gegriffen, dem Nahttrenner.

 

Mittlerweile ist es dunkel und ich erahne nur noch das, was ich tue. Deswegen einmal alles mit Vlieseline bebügelt, das Zimmer aufgeräumt und Feierabend gemacht.

 

„Die Tasche mache ich morgen fertig“. Ja ne ist klar.

 


Tag 2:

 

Der zweite Akt des Dramas beginnt. Ich nähe die Einzelteile für Vorder-, Rück- und Seitenteile zusammen. Verdammt, ich wollte doch einen Reißverschluss in die Naht auf der Rückseite integrieren. Einen verdeckten. Der ist am einfachsten.

 

 

Der Nahttrenner kommt wieder zum Einsatz. Mal eben den Reißverschluss angelegt und....Geht gar nicht. Auftrennen! Der nächste Versuch. Hatte ich erwähnt, dass die Tasche aus Cordstoff und Kunstleder besteht? Es gilt also bei jeder Naht genau die Einstiche der vorhergehenden zu treffen. Das macht die Sache nicht einfacher.

 

 

 

Ich kürze mal ab und bekenne, dass ich diese Teile ein weiteres Mal zugeschnitten habe. Es gibt KEINEN Reißverschluss auf der Rückseite.

 


Nun gut, ich schraube meine Ansprüche runter.

 

Hatte ich doch dieses Bild vor Augen von der fertigen Designer Handtasche mit Reißverschluss auf der Rückseite. Es gibt keinen.

 

 

 

Ich nähe noch ein Zierband über die Verbindung von Stoff und Leder. Überraschenderweise klappt das hervorragend. Die Seitenteile werden an Vorder- und Rückteil genäht und mit einem zusätzlichen Topstitch versehen. Aber Moment mal. Was ist mit den Griffen? Ich rolle mit den Augen, stöhne, verzweifle und halte mich für eine absolut stümperhafte Näherin.

 

Und greife zum Nahttrenner ... Es ist zu dunkel, mein Zimmer ein absolutes Chaos und die Flusen verteilen sich auf 150 m². Es reicht mir. Ich räume auf und fühle mich von der Erkenntnis überrollt, dass es sich nicht lohnt, ohne Plan mal eben schnell schnell etwas zu nähen.

 

Tag 3

 

wird das Ergebnis hoffentlich bringen. Ich habe schon zig neue Ideen und weiß ganz genau, dass es für diese Tasche keine Anleitung geben wird. Sie wird ein Unikat, ein absolutes Designer-Einzeltstück werden. Außerdem bekomme ich die vielen Schritte im Leben nie rekapituliert und aufgeschrieben.

 

 

Am Tag 4 ist es endlich geschafft und ich versöhnt mit der Tasche und meinen Fertigkeiten. Ein bisschen wenigstens. Denn letztendlich ist sie doch ganz schön geworden. Und da sie im Grunde genommen sehr einfach zu nähen ist, habe ich mir überlegt doch eine Anleitung zu erarbeiten und auf YouTube herauszubringen.

Anleitung:

Die Tasche in der Videoanleitung ist zwar ein wenig kleiner, aber im Grunde wurde sie genau so gearbeitet wie diese hier. Der Unterschied liegt in der Gurtlösung. KLICK HIER ZUM VIDEO

Fertige Tasche

Doch ganz glücklich.

Fertige Tasche von nahem.

Passt doch gut, oder?


Hier aber schon vorab ...

 

die wichtigsten Maße und Informationen. Diese gelten für zwei unterschiedliche Außenstoffe. Arbeitest du mit einem, dann nimm die Maße für das Innenfutter.

 

 

 

Ich benutze übrigens Kunstleder und Futtertaft von mcstoff.de und einen super süßen Baumwollstoff mit Hundeaufdruck und einen Cord den ich von meiner lieben Freundin Susanne geschenkt bekommen habe. Diese Stoffe gibt es bei Karstadt. Die Nahtzugabe von 1 cm ist in den Maßen berücksichtigt. Das schöne am Kunstleder ist, dass er nicht trieselt und nicht extra versäubert werden muss.

 

Bügel- und Näheinlagen:

Zur Verstärkung des Außenstoffes benutze ich Vlieseline S320. Benutze die Maße für Vorder-, Rücken- und Seitenteile und schneide sie 1 cm kleiner als angegeben zu.

 

Für den Boden habe ich Decovil light genommen und auch 1 cm schmaler als unten angegeben zugeschnitten.

 

Das Futter habe ich mit einem 3 mm starken Schaumstoff unterlegt, der in die Nähte gefasst wird. Diesen bekommst du hier.

Hast du alles bebügelt, dann unbedingt gut auskühlen lassen!

Zuschnitt:

Vorderteil/Rückteil

Cord: 2x (13 cm x 38 cm)

 2x (11 cm x 36 cm)

Leder: 2x (20 cm x 38 cm)

    2x (18 cm x 36cm)

 

   Vlieseline S320

 

Seitenteile:

Cord: 2x (13 cm x 13 cm)

2x (11 cm x 11 cm)

Leder: 2x (20 cm x 13 cm)

2x (18 cm x 11 cm)

 

 

Boden:

Leder: 1x (13 cm x 38 cm)

Decovil light: 11 cm x 36 cm

Zierband:

Baumwolle: 2x (8 cm x 38 cm)

2x (8 cm x 13 cm)

 

Innenfutter/ Schaumstoff:

Vorder-/Rückseite: 2x ( 31 cm x 38 cm)

Seitenteile: 2x (31 cm x 13 cm)

Boden: 1x (13 cm x 38 cm)

 

Taschenriemen 2x :

Leder: 70 cm lang x 6 cm

BW: 70 cm x 5 cm

Vlieseline S320 für Baumwollriemen:

(68 cm x 2,5 cm)

Halter für Vierkantringe 4x:

Leder: 10 cm x 6 cm

Vlieseline H250: 10 cm x 3cm

 

Schleifen 2x:

Baumwolle: 30 cm x 15 cm

 

Reißverschlusseinfassung:

Kunstleder + Futtertaft:

je 2 x (43 cm x 5 cm)

 

Reißverschluss: 50 cm

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Christina (Montag, 06 Februar 2017 14:47)

    Hallo Ann-Kristin,
    Deine Videos sind spitze. Wenn ich meine noch anstehenden Taschennähprojekte abgearbeitet habe, werde ich mich mal unter Zuhilfenahme deines Videos an die NELL ❤️ machen.
    Weiter so!��
    P. S. Ich nähe manchmal schneller als ich nachdenke und weiß meine nahttrenner sehr zu schätzen.�

  • #2

    Ann-Kristin von AKkreativ (Montag, 06 Februar 2017 15:12)

    Hallo Christina! Es beruhigt mich immer, dass ich nicht die einzige bin, die mal so "drauf los näht". Ich glaube, ich werde mal ein ganz spezielles Video machen, in dem ich unserem besten Freund, dem Nahtrenner, eine ganz besondere Aufbewahrung schaffe. ☼☼☼ Vielen Dank für deinen Kommentar und das Lob und ganz viele Grüße!

  • #3

    Christina (Montag, 06 Februar 2017 20:43)

    Hallo Ann-Kristin,
    es kommt nur darauf an, dass man nicht den Anspruch an sich verliert, es so gut wie möglich zu machen. Letztendlich ärgere ich mich zwar auf meine Unkonzentriertheit, korrigiere aber trotz allem meine Fehler und freue mich dann über das fertige Ergebnis. Die unnütze, Zusatzarbeit ist dann schnell vergessen. Und es bringt trotz allem noch immer viel Spaß.�
    Für das nahttrennervideo hätte ich bei meiner letzten Tasche viel Videomaterial zur Verfügung stellen können.� Liebe Grüße zurück!

  • #4

    andrea (Montag, 29 Mai 2017 12:19)

    na da bin ich jetzt auch mal sehr beruhigt, - ich dachte ich sei die jenige welche einzige, die wo immer mal ne schnelle Idee hat, ... und anfängt und näht und schneidet und trennt und verwandelt das nähzimmer in eine kreativhöhle :-)

    und schmeißt dann doch auch schon mal im frust was weg und denkt, "meine güte, mit system und disziplin, frau lengemann.....

    das erstaunliche mit diesem wissen ist, - ich mache es wieder so (erst gestern) ha ha ha - aus fehlern lernt man doch - eigentlich -

    vermutlich dauert dieser vorgang bei mir etwas länger.
    aber deine taschen sind klasse!! weiter so
    viele grüße von andrea