Stricken und häkeln.

Warum strickst oder häkelst du?

Korb mit Wolle

Zuerst würde mich interessieren,

ob du lieber strickst oder häkelst? Das ist irgendwie wie die Frage nach Schwarz oder Weiß. Die meisten, die ich bisher gefragt habe, machen entweder das eine oder aber das andere.

Wenn ich tief in mich hineinhöre, dann tendiere ich eher zum Häkeln. Obwohl ich auch gerne stricke, finde ich es einfacher, Accessoires zu häkeln, als zu stricken. Man arbeitet mit einer Masche, kann die Arbeit regelrecht formen, indem man unterschiedlich tief einsticht und die Art der Masche variiert. Man kann einem Objekt etwas sprichwörtlich „auf Figur“ häkeln.

 


Auf Figur gehäkelt:

Behäkeltes Teegeschirr.

Ponchos oder üppige Schals

stricke ich lieber.

 

Aber warum strickt oder häkelt man? Warum setzt man sich mit Freude und Wonne hin und arbeitet Masche für Masche unterschiedlich aufwendige Muster, spielt mit Farbkombinationen? Was bringt es dem Menschen, 1, 2 oder 5 Nadeln gleichzeitig stets in Bewegung zu halten?

 

Beliebte Antwort auf diese Frage ist: „Man kann doch nicht nur Fernsehen gucken“. Auch wenn ich mir kaum eine Meinung erlauben kann, da ich so gut wie nie in die Tiefen der Seriensuppen tauche, Talkshows, Nightshows, Spieleshows meide und nur gelegentlich mal eine Dokumentation finde, die ich noch nicht kenne.

 


Ich brauche diese Art der Show nicht.

 

Mir reicht es, wenn im Hintergrund Sport läuft oder der Fernseher gar nicht an ist. Da muss ich nicht hinschauen.

 

Nur die Hörspiele der Drei???... aber das ist ein anderes Thema.

 

Zurück zur Frage,

warum ich stricke und häkele. Ich brauche das Maschenzählen, um mich zu konzentrieren. Das klingt seltsam, ich weiß. Konzentration heißt für mich, den Kopf freizubekommen. Wenn ich mich auf diese eine Sache konzentrieren, bin ich in der Lage, andere Gedanken auszublenden.

 

Vor Jahren,

als belastende Gedanken kontinuierlich in meinem Kopf herumschwirrten und mir das Leben so unendlich schwer machten und ich abends vor mich hinstarrte und immer weiter in diesen Sog gezogen wurde, begann ich, Socken zu stricken.

Gehäkelte Deko.

 

Ich zählte Runde um Runde die Maschen. Stundenlang. Und diese Zeit, in der ich nicht an meine Situation und meine Befindlichkeit dachte, half mir ruhiger zu werden.

 

Ich bin keine Psychologin. Ich kann nur für mich sprechen. Heute sitze ich abends auf dem Sofa und erarbeite aus Ideen Anleitungen. Lasse mich inspirieren, während ich durchs Internet surfe, und fröne einer meiner Leidenschaften:

 

Ich lege Waren in einen Warenkorb, die ich schön finde und die ich bestimmt auch gut gebrauchen könnte und wenn ich alles zusammen habe, wechsele ich zu einem anderen Shop und mache dort das Gleiche. Ohne jedoch wirklich zu bestellen.

Ja, ich gebe zu, das ist schon ein bisschen sehr speziell. Aber es macht Spaß.

 

Und geht es nicht darum, Spaß zu haben? Stolz auf sich zu sein, für das was man schafft? Sich immer wieder neu anzuspornen? Neues zu lernen und sich selber herauszufordern?

 


Ich schreie es gerne hinaus: „Jaaaaaaaaaaaaaa“!

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Kommentare: 3
  • #1

    Heidrun (Dienstag, 10 Januar 2017 19:49)

    Hallo Ann-Kristin!
    Ich tendiere deutlichstem Stricken. Bin ein fauler Lerner neuer Techniken, wenn ich schon eine gut beherrsche. Das Häkelnngelingt mir nur, wenn im Hintergrung eine UTube Anleitung läuft.

    aber ich bewundere, wenn andere Techniken beherrschen,Medien ich nicht kenne...

  • #2

    Gerta Raus (Dienstag, 23 Mai 2017 13:34)

    Lustig, bei mir ist es genau umgekehrt: Ich kann mich beim Stricken viel besser auf die Dinge um mich herum konzentrieren, ob das nun die Sportshow oder die Nachrichten oder der Anruf/Monolog meiner Mutter ist.
    Aber diese Art der Konzentration meinst du wahrscheinlich nicht, es geht ja sicherlich um die Hingabe zu einem bestimmten Projekt. Das man sich aneignet und es gehört dann plötzlich zu einem. Ja, verstehe ich irgendwie.

    Und jaaaaa! :) Es geht um den Spaß! Und es geht um Schönheit. Ich hab vor einiger Zeit mein Hobby zu einem Beruf gemacht und darf mich nun für Geld mit den Modetrends und Wolltrends auseinander setzen. Journalistisch und Marketing-mässig. Und es macht mir Spaß.

    Danke für deinen Artikel. er zeigt noch mal, was wirklich wichtig ist: Sich auf sich selbst zu konzentrieren. Bei sich sein und den Dingen, die einem Freude machen.

  • #3

    Ann-Kristin (Freitag, 26 Mai 2017 11:32)

    Liebe Gerta,
    du sprichst mir aus der Seele. Gerade in der hektischen Zeit, in der man von Eindrücken fast schon überrannt wird und man kontinuierlich mit Bildern und Informationen gefüttert wird, ist das Insichzurückziehen so wichtig. Viele können das auch schon gar nicht mehr. Entspannen, auf eine einzige Tätigkeit und Sache konzentrieren. Und, etwas EIGENES schaffen. Ich danke dir für deinen Kommentar und sende ganz liebe Grüße!